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 Betreff des Beitrags: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: So 5. Feb 2017, 12:13 
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Reg: So 5. Feb 2017, 12:07


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Hallo ihr Lieben,

in drei Wochen steht mein aller erster Langstreckenflug mit Airberlin an. Der Flug wird 10 Stunden dauern und bereits jetzt habe ich schreckliche Angst davor. Wie bei vielen hatte ich früher überhaupt keine Angst. Meinen ersten Flug hatte ich mit ca 14 und fand es grandios. Der Flug war nicht lang (München-London) und auch danach hatte es mir oft Spaß gemacht. Mit einer generalisierten Angststörung kam auch die Flugangst. Ganz plötzlich hatte ich schrecklich Angst, hätte fast angefangen zu heulen mitten im Flug. Sobald wir im Landeanflug sind macht sich bei mir Erleichterung breit (obwohl ja Start und Landung eig. am kritischsten sind). Bisher war mein längster Flug 2,5 h und jetzt steht da dieser 10 h Flug vor mir. Ich habe selbst totale Angst, wenn Leute dir mir nahstehen fliegen. Als meine Schwester vor kurzem nach Australien flog habe ich online immer den Flugstatus gecheckt, ob alles in Ordnung ist. Ich wünschte so sehr ich könnte das abstellen und habe natürlich auch schon die ganzen Tipps und so weiter gelesen. Aber wollte mich dennoch mal hier ausstauschen! Weiß noch nicht genau was ich mir davon erhoffe, aber schön wäre, wenn ich nicht in einen Heulkrampf an Board ausbrechen würde (vorallem will ich das vor meinem Freund nicht!).

Danke erstmal fürs Lesen und ja vllt kann mir jemand ja Erfahrungen von Airberlin oder so erzählen. Ich fliege nach Curacao!


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Do 9. Feb 2017, 19:05 
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Reg: Di 9. Sep 2014, 13:35


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Hallo erstmal,

hm, soweit ich das sehe, hast Du so ein ähnliches Problem wie ich auch hatte, nur daß es bei mir nicht ganz so stark ausgeprägt ist: die Angst vor der Angst. Also man hat schon Wochen oder Tage vor dem Flug Angst davor, daß man Angst (bis hin zur Panik) im Flugzeug kriegen könnte. So ging es mir vor meinem Flug nach Thailand letzten November. Ich hatte die meiste Angst eigentlich davor, daß ich nach dem Abflug Angst bekomme (vor irgendwas) und mich unwohl fühle und dann bis Thailand (also über 10 Stunden) nichts mehr an dem Zustand ändern kann.

Zu meiner eigenen Überraschung verlief der Flug für mich dann doch recht gut und beim Rückflug habe ich sogar auf die sonst üblichen Beruhigungstabletten verzichten können - und habe dennoch sogar ein wenig geschlafen. Die Frage ist: wie habe ich das gemacht? Beim Hinflug war es so, daß ich mich halbwegs wohl gefühlt habe (gut, war auch Business-Class), irgendwie wirkte alles sicher. Der Start ging seidenweich, nicht wie mit den kleinen Maschinen gewohnt steil nach oben (jedenfalls gefühlt flacher). Sehr beruhigend wirkte auf mich der Bildschirm, auf dem ich Flughöhe, Geschwindigkeit und Position des Flugzeuges verfolgen konnte (hatte ich vorher auf allen Kurzstreckenflügen nicht). Und ich hatte den Eindruck, nach ca. 2 Stunden Flug habe ich mich schlichtweg an das Fliegen gewöhnt.

Ich übrigens vor dem Abflug nach Thailand auch Angst davor (noch eine Portion extra sozusagen), daß ich mich auf dem Hinflug unwohl fühle, aber irgendwie damit arrangieren kann und immerhin ankomme ohne vor Angst oder Panik wer-weiß-was im Flugzeug anzustellen - aber dann nicht mehr in den Flieger zurück komme. Was dann?

Diese Angst stellte sich natürlich zwangsläufig nicht mehr in Thailand, weil ich ja von dem Hinflug so positiv überrascht war.

Hier im Forum hatte ich auch oft schon gelesen, daß Leute davon berichten, sie würden lieber Langstrecke fliegen, weil der Flug an sich für sie gar nicht das Problem ist, sondern eher die Start- und Landephase (nicht ganz unberechtigterweise). Das ist bei mir nicht so, die Landephase macht mir komischerweise keine Angst. Merkwürdigerweise habe ich auch keine Angst davor, daß ein Hindernis die Start- oder Landepiste blockieren könnte, sondern beim Starten eher davor, daß die Maschine beim Startvorgang langsamer wird und die Fluglage instabil wird (was ziemlich abwegig ist - aber meine Angst glaubt mir das nicht).

Ich denke ein Teil des "Tricks" ist, zu versuchen, sich ein Stück weit von der Angst vor der Angst zu entfernen und sich darauf zu konzentrieren, wie man sich die lange Zeit im Flieger beschäftigen kann. Sich selber ein wenig gut zureden unter Motto "da sitzen 200 Leute im Flieger, davon haben auch einige Angst, aber sie können alle damit umgehen - also werde ich das auch hinkriegen". So ungefähr habe ich versucht, mich selber zu beruhigen. Im Flugzeug selber hatte ich auch irgendwie eher das Gefühl, da sind ganz viele Leute unter den Passagieren, die mit dem gleichen Unwohlsein wie ich fliegen - aber auch die können damit umgehen, wieso sollte ich das nicht können. Irgendwie hat mich das dann beruhigt.

Was aus meiner Sicht falsch wäre, wäre, zu hoffen, die Angst verschwindet einfach. Wird sie höchstwahrscheinlich nicht tun, diese Erwartung sollte man nicht haben. Den Druck aber auch nicht. Wichtiger ist, mit dem Gefühl irgendwie umzugehen - am besten konstruktiv. Mittlerweile gelingt mir das halbwegs gut - was mich aber vermutlich nicht vor Rückschlägen schützt. Ich hatte Angst vor Riesenrädern (kam irgendwann mit Mitte 20 - vorher hätte ich stundenlang in beliebig hohen Riesenrädern mitfahren können), mittlerweile kann ich wieder mitfahren, fühle mich aber nicht so recht wohl darin - wenngleich ich die Aussicht durchaus genieße. Seilbahnen und dergleichen sind ähnlich bei mir. Da sehe ich durchaus auch Potential, daß ich eines Tages wieder vor so einer Kabine stehe und trotz bereits bezahltem Ticket nicht einsteige. Seltsamerweise scheint meine Flugangst da eher das kleinere Übel zu sein. Aber je mehr Druck man sich selber macht, desto eher geht der Umgang mit der Angst in die Hose (meinem Gefühl nach), weil man verkrampft.

Ich hatte auch schon einen anderen Fall: über Gitterstufen eine Hochofentreppe hochsteigen. Das habe ich vor rund 8 Jahren auf halbem Weg abgebrochen - ich konnte nicht weiter, weil ich Angst hatte, herunterzufallen. Auf dem Weg nach Hause habe ich mich so sehr darüber geärgert, weil die Angst ja unsinnig ist, daß ich gleich am nächsten Tag wieder hingefahren bin und unbedingt ankommen wollte. Hat geklappt, der Wille war stärker als die Angst - aber ich habe viel Zeit gebraucht. Da hatte ich aber nicht mehr in dem gleichen Maße dieses Angstgefühl. Wahrscheinlich weil ich mich lange genug darüber geärgert hatte und nun unbedingt rauf wollte.

Nebenbei bemerkt habe ich auch schon nicht wenige Leute kennen gelernt, die sich über meine (eher etwas leichtere) Flugangst amüsieren und das sehr ins lächerliche ziehen. Die wirken dann ja unheimlich taff. Nur: die gleichen Leute haben das Problem mit dem Hochofen genauso wie ich - die kommen über diese Gitterroste nicht herauf, die kriegen dort Angst (nicht alle, aber überraschend viele). Ist doch lustig: Flugangst ins Lächerliche ziehen, aber selber Angst vor Gitterrosten haben.

Vielleicht ist das auch noch ein Teil meiner "Strategie". Ich versuche mich über meine Flugangst selber lustig zu machen. Ich rede darüber und mache selber meine Späßchen - dadurch verliert sie auch etwas ihren Schrecken.

Ich hoffe, da ist etwas dabei, was Dir helfen kann.

Viele Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: So 12. Feb 2017, 17:35 
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Reg: Do 16. Aug 2012, 20:32


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Moin...
Vielleicht wäre es besser deinen Freund ganz genau auch damit einzubinden, dass es passieren kann (nicht muss)!
Direkt zu AB kann ich nix sagen, nur das ich schon oft gehört habe das Leute mit Ängsten, die sich den Flugbegleitern öffnen, sehr positive Erfahrungen gemacht haben.
Ich hatte 2015 meine erste Langstrecken Erfahrung, davor hat ich echt bammel aber es kam alles anders.
Start war normal, Landung auch.... Nur die Zeit dazwischen änderte sich, viel Service usw.
HinFlug geschafft und ich war abgesehen von der Müdigkeit echt glücklich und im Langstrecken Fieber.
Als 3 Wochen Singapur, Malaysia und Indonesien durch waren bin ich vom Gefühl her wie in einen Bus gestiegen.
Klar war ich aufgeregt aber das war nun ein völlig anderes Gefühl...
Hab mich jetzt viele Jahre mit allem was das Fliegen angeht beschäftigt, vielleicht war es das oder so eins/zwei Erlebnisse da oben oder der mix aus beidem...


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Mi 15. Feb 2017, 10:23 
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Reg: So 5. Feb 2017, 12:07


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Erstmal vielen Dank euch zwei für eure Antworten,

@Packbär66: Lieber Thomas, ja, wahrscheinlich hast du Recht mit der Angst vor der Angst. Vorallem schwankt es bei mir total stark. An einem Tag denke ich: ach was, da passiert doch nichts, das wird sicher aufregend und 10 Stunden wirst du das schon durchstehen und dann gibt es Tage, wo ich tatsächlich sogar in Tränen ausbreche, so real ist die Angst vor dem Fliegen. Mein Bruder, der früher ebenfalls total Angst vor Fliegen hatte und sich fast geweigert hat, meinte auch, dass Langstreckenflüge angenehmer sind, da die Flugzeuge höher fliegen und durch ihre Größe etwas "ruhiger" in der Luft liegen. Das komische bei mir ist auch, dass mir Start und Landung an sich auch nicht so viel ausmachen. Eher die Angst, das Flugzeug könnte einfach "vom Himmel fallen" oder die Pilot die Kontrolle verlieren etc. Ich habe schon viele Beiträge gelesen auch zur Flugtechnik. Die Flugangstseminare der Airlines sind aber z.B. so utopisch überteuert, dass ich es mir einfach nicht leisten kann.

Danke auf jedenfall für den Tipp und ich hoffe ich krieg das irgendwie in den Griff. Vorallem da ich mich sonst natürlich schon sehr auf den urlaub freue!

@Flattermann: Ja, mein Freund weiß von meiner Angst im allgemeinen aber du hast recht, vllt sollte ich es ihm nochmal explizit sagen, dass es für mich nochmal eine Portion schlimmer ist als sonst. Er selbst hat bei Start und Landung auch ein mulmiges Gefühl, will das aber immer nicht so zeigen, deshalb hab ich dann das Gefühl ihn zusätzlich damit zu belasten. Dann werde ich das mit den Flugbegleitern auch machen, denke ich. Habe hier ja auch schon einige Beiträge gelesen, wo sich diese dann etwas mehr um die Leute gekümmert haben, die ihre Angst geäußert haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Mi 15. Feb 2017, 18:08 
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Reg: Do 16. Aug 2012, 20:32


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Hey saltare.

Höher fliegen Langstreckenflieger nicht, je höher desto sparsamer. Vielleicht fliegt was inner deutsches nich ganz so hoch aber ob von hier nach Spanien oder NewYork ist gleich.
Und nein Flugzeuge fallen nicht einfach vom Himmel.
http://www.planet-wissen.de/technik/luf ... ug100.html

Und auch Pilotenfehler führen nicht einfach so zum absturz!
Meist,wenn es um Unglücke geht und der Crew Fehler bzw Menschliches versagen als Unfallursache ermittelt wird, waren vorher technische Probleme der
Auslöser die falsch interpretiert wurden oder die falsche Schlussfolgerung gezogen wurde.
Heisst aber, wenn so was passiert ist wird das Training der Piloten erweitert bzw intensiviert!
Würde man das auf den Strassenverkehr übertragen,hätten 75% kein Lappen mehr :lol: .

Und was deinen Freund angeht, nichts schweisst mehr zusammen als ehrlich(auch er zu dir in den Lande/Startphasen), komplett ehrlich
zueinander zu sein. Mir,als Mann viel das auch nicht leicht. Ganz und gar nicht!
Aber es hilft :thumb: .

Du wirst,wenn du dich den Flugbegleitern offenbarst nicht First Class betreut aber wen an Board du auch immer dich anvertraust, wird immer mal wieder nach dir guggen und dich ansprechen.
Gerade bei Langstrecke gibt es immer mal wieder Luft um sich darum zu kümmern!
Gibt ja zwischendurch mal auch kein Service, einfach mal hin in die Boardküche und mal n Gespräch anzetteln, Kaffee ordern und quatschen :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Mi 15. Feb 2017, 20:01 
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Reg: Di 9. Sep 2014, 13:35


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Hallo zusammen,

stimme Flattermann natürlich auch zu: auf jeden Fall die Crew ansprechen. Von 6 Flügen hatte ich 6x eine sehr aufmerksame und freundliche Crew - ich denke, da ist man schon gut aufgehoben.

Ich kann ja nur sagen, was mir persönlich immer hilft: tatsächlich hilft mir, über die Flugangst zu sprechen bzw. zu schreiben - und mir persönlich hat geholfen, mich intensiv mit allem technischem Drumherum auseinanderzusetzen. Sprich: mir persönlich hilft es, sich mit solchen Serien wie "Mayday im Cockpit" oder so ähnlich zu beschäftigen. Das würde ich aber nicht unbedingt jedem empfehlen, weil es auch viele nervös macht. Natürlich würde ich z.B. nicht ausgerechnet einen Tag vor dem Flug sowas gucken - aber längere Zeit vorher schon. Und natürlich habe ich dann auch immer so ein Mischgefühl - ich frage mich dann auch wieder, ob es wirklich möglich ist, all diese Fehler, die zu einer Katastrophe geführt haben, bei jedem Flug zu vermeiden. Ich sehe aber dann doch überwiegend den Sachverhalt, daß Flugzeugunglücke sehr genau analysiert werden von Experten und daraus in der Regel Maßnahmen abgeleitet werden. Und die diversen Statistiken sprechen ja für sich: es wird immer mehr geflogen, aber es passiert immer weniger. Ich persönlich habe dann ein relativ großes Vertrauen darin, daß man solche Unfälle wirklich gut analysiert (ich wüßte nicht, warum man den immensen Aufwand betreiben sollte, wenn das nicht so wäre) und wirklich auch Verbesserungen umsetzt. Das ist offenbar der Punkt, warum micht solche Berichte eher beruhigen als verängstigen.

Das andere ist, daß ich mir immer wieder vor Augen halte (als tendenziell eher etwas angstgeplagerterer Mitbürger, ich habe ich das ja schon ein paar Mal erwähnt, daß ich nicht nur eine gemäßige Angst vor dem Fliegen habe, sondern auch Angst vor Operationen, Angst vor Seilbahnen (je nach Höhe) etc.), daß man tagtäglich Situationen hat, die einem auch Angst machen können - es aber nicht tun, obwohl das Risiko viel größer ist. Kürzlich kam mir mitten bei der zügigen Autofahrt durch eine Kurve der Gedanke "was, wenn die Werkstatt die Reifen nicht richtig fest montiert hat?" und ich bin unvermittelt vom Gas gegangen und etwas beunruhigt nach Hause gefahren. Am nächsten Tag war das Gefühl wieder weg, aber ab und zu denke ich daran. Ich habe keine Statistik gefunden, aber ich denke, das Risiko ist extrem gering. Trotzdem hatte ich vorübergehend so ein ungutes Gefühl. Dabei ist das Risiko viel größer, daß mir mal am Stauende ein Lkw hinten reinsemmelt etc. - aber weil man still steht hat man da zunächst kein Unsicherheitsgefühl. Angst ist nunmal leider relativ irrational, und von daher sollte man sich immer klar machen, daß sie irrational (also oft unbegründet) ist. Es hat aber auch keinen Sinn, sie zu unterdrücken, da helfen Fakten nicht, weil man ein irrationales Gefühl mit rationalen Fakten bekämpfen will - das geht meistens in die Hose. Was hilft ist aber: mit der Angst umgehen. Also nicht unterdrücken, sondern akzeptieren und sich sagen: OK, ich habe Angst vor dem Fliegen - aber wie begründet ist das. Dann sich die Fakten überlegen und feststellen: die Angst ist zwar unbegründet, aber ich akeztiere sie, lasse mir aber dadurch meine Urlaubreise nicht kaputt machen. Wie soll man sagen: man muß versuchen, die Angst nicht nur als Feind anzusehen (vor dem man noch mehr Angst haben muß), sondern als eine Art Ratgeber, den man anhören kann, dem man nicht 100%ig folgen muß.

Was mir übrigens an den Berichten über Abstürze etc. auch hilft: soweit ich das überblicke gibt es nur ganz wenige Unfälle überhaupt, die EINE Ursache haben (wenn überhaupt). Sondern in aller Regel handelt es sich um Verkettungen von unglücklichen Umständen plus irgendwelchem Fehlverhalten. Heißt: wenn ein Defekt auftritt wie z.B. ein Triebwerksschaden und die Crew richtig handelt, ist der Defekt zwar unschön, aber relativ ungefährlich. Wenn die Crew nicht perfekt agiert, gibt es noch Hilfe (je nachdem wie die Sachlage ist) aus dem Tower oder sonstwie per Funk. Und und und. Wie gesagt: in den meisten Berichten, die ich gesehen und gelesen habe, gab es immer ein technisches Problem, gefolgt von oft mehreren Fehlern von Crew und Bodenpersonal - und erst dann ist das Unglück da. Da es also mehrere Möglichkeiten der Korrektur gibt, ist es unwahrscheinlich, daß alles schief läuft. Und genau das sieht man an der Statistik: meistens läuft nicht alles schief. Motorausfälle sind wohl heute extrem selten, und wenn mal einer ausfällt, kann man immer noch sicher landen. Es ist alles Computerüberwacht UND Crewüberwacht. Es werden solche Defektszenarien im Simulator trainiert.

Und mach Dir vielleicht auch klar: von 100 Leuten im Flieger behaupten wahrscheinlich ca. 95, sie wären geradezu tiefenentspannt und flögen total gerne und bla bla. Die Wahrheit sagen von diesen 95 Leuten wohl höchstens die Hälfte. Beobachte das mal: die andere Hälfte schwitzt, kaut an den Fingernägeln, trippelt nervös herum, fummelt an Knöpfen etc etc. Man merkt das doch: so taff sind viele gar nicht, wie sie tun. Das beruhigt - finde ich - auch: man selber nicht irgendwie komisch oder gar "krank", weil man Angst hat. Das Gefühl haben viele. Weil es einfach komisch für Menschen ist, sich ohne Boden unter den Füßen fortzubewegen. Da darf man auch ein komisches Gefühl haben.

Nur eines: ich dachte auch, ein A380 liegt so satt in der Luft, daß den nichts oder fast nichts erschüttern kann. Soweit mir bekannt hatten wir gutes Wetter beim Flug von Thailand - aber die nutzen auf der Strecke wohl Jetstreams. Beim Ein- und Ausfliegen aus dem Jetstream gibt es wohl dann doch Turbulenzen, und beim Rückflug wurden wir ganz schön durchgeschüttelt. Eine Kollegin, die schon öfter geflogen ist, meinte, das hätte sie so schlimm noch nie erlebt. Die Crew meinte zu mir, das sei völlig normal, das würde an diesen Stellen immer etwas ruckeln, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also keine übertriebenen Erwartungen haben. Insgesamt mag der Flug ruhiger sein (das Gefühl hatte ich auch), aber von etwas Gewackel darf man sich wohl nicht irritieren lassen.

Noch eines: mir hilft auch, mir klarzumachen, daß da rund 30 Leute im Flieger ihren Job haben und beinahe täglich hin- und herfliegen. Wenn Fliegen gefährlich wäre: würde man denen das zumuten (können)? Wohl kaum. Auch fliegen etliche meiner Kollegen geschäftlich permanent um die Welt. Das würde denen keiner abverlangen, wenn da ein Risiko wäre.

Ich wünsche Dir einen schönen Flug und drücke Dir die Daumen, daß sich deine Angst soweit reduziert, daß Du damit gut umgehen kannst... wenn der Dreh geschafft ist, wirst Du vermutlich auch relativ entspannt fliegen (auch wenn ein Umwohlsein bleibt - aber vielleicht reduziert sich auch das).

Viele Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Fr 24. Feb 2017, 20:35 
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Reg: Fr 11. Nov 2011, 17:51


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Hi Thomas,

Ich finde das hast du sehr gut geschrieben, echt.
Ich beschäftige mich auch viel mit Flugzeugen und der Technik in meiner flugfreien Zeit :) mir gibt es Sicherheit und trotzdem beunruhigt es mich natürlich, was alles so schiefgehen kann. Besonders das Airfrance Unglück AF447 hat mich sehr bewegt und beschäftigt. Eine englischsprachige Reportage über den Flug, gab die original Aufnahmen des Voicerecorders wieder. Es war extrem bewegend und ich musste lange daran denken. Trotzdem helfen mir solche Reportagen, das Ganze zu verstehen und der Technik zu vertrauen. Deswegen werde ich auch weiter sowas gucken und viel lesen. Auch wenn es mir manchmal echt schwer fällt, ich bin recht emotional.

So Offtopic Ende :)



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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2017, 16:30 
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Reg: So 5. Feb 2017, 12:07


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So ich melde mich nun etwas verspätet. der Flug rückt immer näher. Am Dienstag geht es los. Gefühlstechnisch geht es bei mir immer noch ziemlich auf und ab! Aber ich denke euch, dass ihr euch die Zeit nehmt, um mir hier zu antworten. Ich mache es teilweise wie Packbär66. Habe im Bekanntenkreis einen beruflichen bedingen Vielflieger und nicht nur innerhalb Deutschlands. Er fliegt wöchentliche einige 10.000 Kilometer um die Welt. Da denk ich mir dann immer, er steigt ständig in dieses Flugzeug ein, also wird auch bei mir alles gut gehen. Dokus und so werden ich mir vielleicht mal anschauen, aber erst wenn ich wieder aus dem Urlaub zurück bin :D Sonst ist das denke ich eher kontrakproduktiv so kurz vor dem Flug! Und dann wie du schon sagst Packbär muss man sich im Klaren sein, dass die Gefahren überall täglich lauern!

Eine Frage noch -wie sprecht ihr die Flugbegleiter an? Direkt am Anfang beim Einsteigen ist es ja total doof, da hinter einem die ganzen andern Leute warten, um in das Flugzeug zu steigen. Wenn ich sitze und eine der Flugbegleiter*innne vorbeikommt? Und was konkret sag ich dann. So nach dem Motto: Ich wollte sie übrigens nur wissen lassen, dass ich Flugangst habe? oder wie habt ihr das angestellt. Freue mich über die Tipps :)

Danke euch


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2017, 19:32 
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Reg: Fr 11. Nov 2011, 17:51


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Also ich mache es auf der Langstrecke immer wenn die Getränke verteilt sind und das essen serviert wurde (kommt drauf an um welche Tageszeit. Nach Hongkong war bei mir der Hinflug Mittags, da wurde erstmal lange Service gemacht mit Dreigänge Menü.) Auf dem Rückflug war es Mitternacht, da wurden nur Getränke und ein paar Kleinigkeiten serviert, da konnte ich sie schneller ansprechen. Mir ist es auch zu unangenehm das am Anfang vor allen Leuten zu machen. Deswegen warte ich damit etwas, bis der erste Stress (Service) für die Flugbegleiter vorbei ist. Ich bin dann an der Küche vorbei gelaufen und dann haben sie mich angeguckt und gefragt ob alles okay ist. Mir sieht man den Stress wohl ziemlich an ;-) habe dann von meiner Angst erzählt und die waren so nett. Ich durfte dann in der Küche bleiben und mit denen quatschen und Eis essen *hihi* nachher kamen sie oft bei mir vorbei und haben mir Tee oder Kekse gebracht und gefragt ob alles okay ist. Eine von denen hat dann bei mir am Platz noch ihr Handy aufgeladen.
Hab die Flugbegleiter nachher noch am Gepäckband getroffen und mich für die nette Betreuung bedankt :)



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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: So 26. Feb 2017, 16:12 
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Reg: Do 16. Aug 2012, 20:32


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Huhu...
Diese Frage kam auch gerade in ner FB Gruppe, einige vor allem Mädels kamen oft die Tränen oder man sah es ihnen an und so kam der schnelle Kontakt zu den Flugbegleitern.
Andere favorisieren die Taktik beim Boarding mit als letztes einzusteigen, die Passagiere sind beschäftigt und die Crew hat n paar Minuten bis es losgeht.
Ich bin eher der, wenn alles ruhig ist ne "runde" durch den Flieger geht und vor der Bord Küche am Fenster/Tür steht und träumt, so ergaben sich schon einige Gespräch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Di 28. Feb 2017, 18:12 
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Reg: Di 9. Sep 2014, 13:35


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Hallo zusammen,

was ich mich schonmal gefragt habe: warum ist eigentlich noch keine Fluggesellschaft auf die Idee gekommen, den ängstlichen Passagieren (von mir aus notfalls auch gegen Aufpreis) eine Sonderbehandlung anzubieten? Ich hätte kein Problem damit, beim Buchen anzugeben, daß ich nicht zu den entspannten Flugreisenden gehöre und mich nicht beklagen würde, wenn ab und an mal einer schaut, ob alles in Ordnung ist. Ich würde auch ein Schild an meinem Platz anbringen (was müßte da drauf stehen? "Attention! Person with fear of flying!"?). Ich hätte kein Problem damit, daß die anderen Passagiere das wissen - ich hätte aber (und hatte auch) ein Problem damit, die Besatzung beim Einsteigen anzusprechen, weil ich dann auch denke, das hält jetzt den ganzen Betrieb auf und stört nur.

Nebenfrage: stimmt eigentlich das Gerücht, daß durchaus auch manche Flugbegleiter und sogar Piloten ebenfalls mit Flugangst Probleme haben?

Viele Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Di 28. Feb 2017, 19:14 
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Reg: Do 4. Feb 2016, 06:48


Beiträge: 16
Mh, denke mit Extraservice ist nicht wirklich umsetzbar. Die haben ja halt so ihren Turn und extra noch eine Flugbegleiterin mehr wird man wohl auch nicfht fianzieren könne- auch nicht mit aufpreis.

Ich würde es wirklich sagen. Sowas ist irgendwo "einkalkuliert" und nach mir hat die nette dame auch noch mal geschaut, nachdem sie davon wußte.

Ja, ich "kenne" sogar eine Flugbegleiterin vom Schreiben her, die selber zwischendrin mal an Flugangst litt.. Hatte sie in einem andern Forum von "erzählt".. Auch von Piloten mit Höhenangst habe ich schon gelesen :-)

LG mel


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Di 28. Feb 2017, 23:17 
Ist regelmäßig hier
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Reg: Do 16. Aug 2012, 20:32


Beiträge: 56

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Flugangst haben wohl Piloten und Begleiter nicht.
Was aber meinem Kenntnissen nach wahr ist, dass einige unter Höhenangst leiden,eine dubiose Form von "Hoch ist nicht gleich Hoch".
Klingt komisch ist aber wohl so, alles was Turm, Hochhaus, Leitern und steile abhänge betrifft bin ich
voll Höhen geschädigt. Dubioser weiße gugg ich am Fenster sitzend von 0-11.000m aus dem Fenster und verspüre null Angst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Do 2. Mär 2017, 10:18 
Kommt öfter mal vorbei
Kommt öfter mal vorbei

Reg: Mo 30. Mär 2015, 19:00


Beiträge: 34

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Packbär66 hat geschrieben:
was ich mich schonmal gefragt habe: warum ist eigentlich noch keine Fluggesellschaft auf die Idee gekommen, den ängstlichen Passagieren (von mir aus notfalls auch gegen Aufpreis) eine Sonderbehandlung anzubieten?


Thomas, das gibt's doch! Wenn du Business oder sogar First Class buchst, wird man sich für ein paar tausend Euro Ticketpreis sicherlich rührend um dich kümmern ;). Für einen kleinen Aufpreis aber dürfte das nicht darstellbar sein, denke ich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Erster Langstreckenflug
BeitragVerfasst: Di 7. Mär 2017, 12:14 
Ist ein Stammgast
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Reg: Di 9. Sep 2014, 13:35


Beiträge: 113
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Hm, ja, daran habe ich gar nicht gedacht ... aber ehrlicherweise muß ich sagen: bei meinem Business-Flug nach Thailand war der Service sehr gut und vielleicht hätte man sich bei Bedarf auch noch intensiver um mich gekümmert - aber die Stewardessen waren auch die ganze Zeit sehr beschäftigt (außer zur Nachtruhe). Und bei den Kurzstreckenflügen hier in Europa gibt es (auf den von meinem Arbeitgeber gebuchten Flügen) gar keine Business-Class (würde man mir für Kurzstrecke auch nicht bezahlen).

Viele Grüße,
Thomas


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