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 Betreff des Beitrags: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: Mo 22. Nov 2010, 17:43 
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Reg: Mo 22. Nov 2010, 17:37


Beiträge: 1
Hallo Forum,

erst mal großartig, dass es so ein Forum wie dieses gibt.
Ich selbst leide zum Glück nicht unter Flugangst, fliege öfter im Jahr, bin aber noch weit weg vom Vielflieger.

Bisher flog ich immer mit Fliegern á la 737-700 oder A319, mal auch ´ne 777 (USA).
Jetzt steht im kommenden März ein Flug mit einer DH4 der AirBerlin an - ein Turboprop-Flieger.
Ich hab mal einen vor mir starten sehen, aber saß noch nie in einem drin.

Inwiefern unterscheidet sich ein Flug in einem solchen "Gerät" von einer 737 oder einem A319? Ist es viel wackeliger? Technik is ja im Prinzip dieselbe, nur dass beim Turboprop eben die Rotoren zu sehen sind - oder? Bekomme nur das mit, was mir andere, gelangweilte Geschäftsleute auf meinen Flügen erzählen ;-)...
Gibt's mehr Luftlöcher und und und oder oder oder...

Würde mich freuen, wenn mir jemand aus seinem unermesslichen Erfahrungsschatz berichten könnte.

Vielen Dank!


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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: Di 23. Nov 2010, 11:32 
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Reg: Do 18. Jun 2009, 15:58


Beiträge: 118
Hi SiebenDreiSieben,
das fühlt sich vielleicht insofern etwas anders an (aber nur etwas), als die Dinger meistens lauter sind, als Jets und etwas mehr vibrieren. Das ist aber keinesfalls schlimm, oder sonstwie unangenehm, nur halt anders.
Luftlöcher gibt es überhaupt nicht, weder für Jets noch für Turboprops. Das sind "nur" die Strömungen, in denen der Flieger sich bewegt (ich mag es nicht, wenn es turbulent rumströmt, aber wer fragt mich schon...) und somit sind da auch keine Unterschiede für Turboprops oder Jets vorhanden, zumindes tsind mir keine bekannt. Unermesslich ist mein Erfahrungschatz nicht, aber ich bin ab und an mit solchen Rührmaschinen geflogen und wie gesagt, mitunter ein büschen laut, aber sonst fliegt es ganz normal.
Gruss,
DT


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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: Di 23. Nov 2010, 16:46 
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Reg: Fr 16. Jan 2009, 17:37


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Moin 737,

Willkommen im Forum erstmal ;)

Prinzipiell stimmt es, dass sich Jets technisch kaum von Propellerflugzeugen bzw. Turboprops unterscheiden. Allerdings muss man dennoch anmerken, dass sie für zwei relativ verschiedene Bereiche entwickelt worden sind. Mit Jets, wie A319, 737 etc. fliegt man meistens in Höhen von 9-12km, während Turboprops deutlich tiefer unterwegs sind. Außerdem sind sie auch deutlich langsamer gegenüber Jets, sodass man meistens länger unterwegs ist.
Die meisten Turboprops brauchen noch dazu weniger Strecke, um ihre Startgeschwindigkeit zu erreichen und beim Start macht es dann manchmal den Eindruck, dass man nicht so recht vorankommt. ;)
Ich persönlich finde Turboprops sehr angenehm, unteranderem natürlich auch, weil man noch was sieht von dem, wo man drüberfliegt. Sehr viel lauter finde ich sie noch dazu auch nicht, was mich eher stört sind diese nervigen Klimaanlagen, die man in relativ betagten Fliegern vorfindet und die dann den ganzen Flug über mindestens drei mal so laut sind wie die Triebwerke. :D

Schöne Grüße
Dennis


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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: Mo 6. Dez 2010, 21:41 
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Reg: So 10. Mai 2009, 08:43


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Unter der Bezeichnung DH4 findet man eine Reihe von Flugzeugen. Mal davon ausgehend, dass du keinen Doppeldecker aus dem Ersten Weltkrieg meinst ;), schreibe ich etwas zur de Haviland/Bombardier Dash 8 (Q400).

Ich bin vor etwa einer Woche mit einer Q400 geflogen (Horizon Air) und fand sie eigentlich ganz angenehm. Das "Q" im Namen steht fuer "quiet" und trifft im Grossen und Ganzen auch zu. Klar klingt die Maschine anders als ein Flugzeug mit Turbofans, aber lauter war es eigentlich nicht. Aufgefallen sind mir die relativ kurze Startstrecke und die niedrige Flughoehe (verglichen mit einem "Jet"). Letzteres hat mich ein wenig gestoert, da ich ueber Gebirge geflogen bin und mich gefragt habe, wie es angesichts der kurzen Tragflaechen eigentlich mit den Gleiteigenschaften der Q400 aussieht, falls die Motoren einmal ausfallen sollten (ja, ja, ich weiss... ;)).

Ansonsten war alles prima. Kaum Gewackel und mal was anderes. Aussdem gab es ein Flugblatt an Bord, dass einem erzaehlt hat, dass die Dash 8 Q400 das umweltvertraeglichste Flugzeug seiner Klasse ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: So 19. Feb 2012, 00:24 
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Reg: Sa 18. Feb 2012, 23:19


Beiträge: 1

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Hallo zusammen!
Ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und auch wenn dieser Thread schon etwas älter ist, so möchte ich ihn doch gerne etwas beleben.
Ich bin selber Pilot auf einer Dash 8-400 und kenne die Vorurteile gegenüber Turboprops nur allzu gut.
Viele Menschen denken, dass ein Flugzeug mit Propellern automatisch aus dem 2. Weltkrieg stammen muss.
Selbstverständlich ist das absolut nicht der Fall.
Ich versuche mal kurz und verständlich den Unterschied zwischen einem Prop und einem Jet zu erklären:
In beiden Triebwerken arbeiten Gasturbinen. In diesen Turbinen wird die Luft zuerst verdichtet und dann mit Sprit gemischt und verbrannt. Diese energiereiche Luft treibt dann am hinteren Ende des Triebwerks eine Turbine an. Diese Turbine ist auf einer Welle befestigt an deren anderen Ende (also wieder vorne im Triebwerk) bei einem Jet der sogenannte Fan sitzt. Das sind die Schaufeln die man von vorne am Triebwerk sehen kann. Dieser Fan produziert den größten Teil des Schubs. Es ist also nicht so wie früher, dass der Schub durch einen heißen Strahl am Ende erzeugt wird. Es ist besser viel Luft weniger zu beschleunigen, als wenig Luft viel zu beschleunigen.
Bild
So schaut ein modernes Jet Triebwerk aus. Nur ein Bruchteil der Luft geht durch den Kern und wird verbrannt (in neuen Triebwerken nicht einmal 10%), die meiste Luft wird durch den Fan beschleunigt, am Kern vorbei geleitet und hinten unverbrannt ausgeblasen. Wenn man sich nun die Verkleidung wegdenkt schaut das einem Propeller Triebwerk gar nicht mehr so unähnlich, oder? :D
Bei einem Turboprop wird von der Turbine eben nicht der Fan angetrieben, sondern der Propeller. Die Technik ist sich sehr ähnlich.
Viele Turboprop Triebwerke sind sogar deutlich unanfälliger als Jet Triebwerke, weil die Turbine dort nicht direkt im Luftstrom sitzt. Die Luft kommt durch den Lufteinlass und wird dann erst nach oben in die Turbine geleitet. So können z.B. Vögel oder Steine nicht direkt ins Triebwerk geraten wie bei einem Jet Triebwerk. Ein Triebwerkausfall durch Vogelschlag wie bei dem Hudson River Unfall ist in einem Turboprop nochmal unwahrscheinlicher als er in einem Jet eh schon ist.
Der große Vorteil eines Turboprops ist die Wirtschaftlichkeit. Der Spritverbrauch im Vergleich zu einem Jet gleicher Größe ist um ca. 30% geringer, das ist eine Menge Holz.
Woher kommt diese Wirtschaftlichkeit? Die Propeller eines Turboprops drehen sich langsamer als der Fan eines Jet Triebwerkes.
Propeller ca. 1000 Umdrehungen pro Minute beim Start, Jet ca. 2000 bis 2500. Die Luft wird weniger stark beschleunigt, dafür wird aber im Verhältnis mehr Luft nach hinten geschaufelt, das ist deutlich effizienter. Dazu kommt, dass die Blätter bei einem Prop beweglich sind, sich also verdrehen können. So kann man quasi bei der gleichen Drehzahl mal mehr mal weniger Luft schaufeln. Dadurch arbeiten diese Systeme aerodynamisch sehr effizient.
Das ganze kann man in diesem Video recht gut sehen. Im Stand bilden die Propellerblätter quasi eine Scheibe und schaufeln keine Luft nach hinten, wenn man beschleunigt verdrehen sich die Blätter und fangen somit an Luft zu bewegen.

Bei höheren Fluggeschwindigkeiten eines Jets nimmt dann der Wirkungsgrad eines Props drastisch ab, deswegen fliegen diese Flugzeuge auch etwas langsamer. Die Dash 8-400 fliegt aber dennoch mit einer Reisegeschwindigkeit von immerhin ca. 650 km/h. Sie ist einer der stärksten und schnellsten Turboprops überhaupt. Man könnte über 10000 PS abrufen, wenn man will. Auf kurzen Strecken zwischen 1 und 1,5 Stunden Flugzeit ist die etwas geringere Geschwindigkeit fast nicht spürbar, weil die meiste Zeit am Boden und im An und Abflug verloren geht. Auf solchen Strecken sind wir ca. 5 bis 10 Minuten langsamer als ein Jet.
Mit nur einem Triebwerk kann übrigens jedes Verkehrsflugzeug der Welt fliegen, auch Turboprops. Sonst hätten diese Flugzeuge keine Zulassung bekommen.
Auch "wackeliger" als ein Jet sind diese Flugzeuge nicht. Turbulenzen haben etwas mit dem Wetter zu tun und nicht mit dem Flugzeug. Und wenn es stark windig ist, oder eine Gewitterlage herrscht, dann ist es in einem Jet genauso wackelig. Die Anfälligkeit für Turbulenzen hat weniger etwas mit der Größe eines Flugzeuges zu tun, sondern mehr mit seiner Flügelform und Aerodynamik.
Es simmt, dass Turboprops in der Kabine etwas lauter sind als die meisten Jets, aber auch hier kann man keine generelle Aussage treffen. In der Dash gibt es ein modernes System, das Geräusche und Vibrationen unterdrückt. Damit kommt man schon sehr nahe an den Geräuschpegel eines Jets. Beim Starten und Landen sind wir übrigens deutlich leiser als ein Jet und somit angenehmer für Anwohner der Flughäfen.
Bild
Das ist übrigens ein Cockpit der Dash 8-400, mit moderner Ausrüstung, großen Bildschirmen und allem was das Pilotenherz glücklich macht und das Fliegen sicher.
Also falls ihr mal in einem "alten Propellerflieger" unterwegs sein solltet dann immer daran denken: Ihr sitzt in einem sicheren, umweltfreundlichen Fluggerät. Freut euch an dem tollen Fluggefühl und daran, dass man von jedem Sitz auf die Welt kucken kann (Weil die Flügel oben an der Kabine befestigt sind)

Beste Grüße und noch viele entspannte Flüge!


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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: So 19. Feb 2012, 23:08 
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Reg: Mi 21. Dez 2011, 03:17


Beiträge: 225

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Finde ich sehr schön, wie Du technische Zusammenhänge so wunderbar erklärst! Sehr schön!

Beste Grüße zurück!



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 Betreff des Beitrags: Re: Wie fühlt sich ein "Turboprop"-Flug an?
BeitragVerfasst: Mo 20. Feb 2012, 09:58 
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Reg: Fr 16. Jan 2009, 15:57


Beiträge: 1113
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Hallo Chloratum,

herzlich willkommen im Forum! :)



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Grüße

Amadeus
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